|
Ganz anders sieht die Sache bei dem jüngsten Stadtteil Sankt Augustins aus, bei Sankt Augustin-Ort. Der gesamte Bereich rund um die Kreuzung der Bundesstrasse B56 und der Hennefer Strasse Richtung Niederpleis sowie der Arnold-Janssen-Strasse in Richtung Menden war um die Wende des 20. Jahrhunderts völlig siedlungsfrei. Den Grundstein der Besiedlung legten die Eheleute Xaver Henroset 1893, indem sie genau an dieser Straßenkreuzung ein Haus bauten, um dort eine Gaststätte zu errichten. Einige Jahre später musste dieses Haus abgerissen werden, weil es nicht den baupolizeilichen Vorschriften entsprach. Henroset ließ sich jedoch nicht abschrecken, sondern baute - diesmal mit polizeilicher Baugenehmigung - auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Die ersten Nachbarn erhielten die Henrosets 1902, als vier weitere Häuser gebaut wurden. 1905, anlässlich einer großen Manövervorführung der in Bonn stationierten Regimenter auf dem Gelände des späteren Flugplatzes, wurde die Gaststätte Henroset feierlich eingeweiht. Sie trug den Namen „Zur neuen Heide“. Nicht weniger als drei Tage dauerte dieses Große Einweihungsfest. Mehrere Faktoren bildeten die Basis für den weiteren Ausbau dieses Geländes: Zum einen war die Kreuzung bzw. die Gaststätte verkehrsmäßig sehr günstig gelegen. Zum zweiten waren der Exerzierplatz und die darauf stattfindenden Manöverübungen der Bonner Regimenter sowohl ein Anziehungspunkt für Zuschauer, die anschließend in der Gaststätte einkehrten, als auch für die Teilnehmer der Manöver selbst, die dort ihren Durst zu löschen versuchten. Des Weiteren waren die Studenten aus Bonn sowie die Siegburger Seminaristen vom Lehrerseminar als gute Kunden zu nennen. Letztlich in hohem Maße für die Zukunft dieses Gebietes von Bedeutung war die Einweihung der elektrischen Bahn zwischen Bonn und Siegburg am 05. September 1911. Die Ansiedlung des Erholungshauses für die Steyler Missionare im Jahr 1911 legte dann den Grundstock für die spätere Bezeichnung der Stadt. Die Ansiedlung war bis dahin auf etwa zehn Häuser angewachsen. Im Dezember 1913 wurde das fertiggestellte Missionshaus unter das Patronat des Heiligen Augustinus (354 bis 430) gestellt. Langsam aber sicher ging der Name auch auf die umliegende Siedlung über. Ab 1921 lautete offiziell die postalische Bezeichnung „St. Augustin“. Gemeindemäßig gehörte jedoch weiterhin das Gebiet zum Teil zur Gemeinde Siegburg-Mülldorf und zum anderen Teil zu Hangelar. Erst mit der kommunalen Neugliederung 1969 entstand ein weiterer Ortsteil: Sankt Augustin-Ort.
|
|
Nahezu die gesamte Bebauung des jüngsten Stadtteils stammt aus dem 20. Jahrhundert. Da wäre zunächst das Areal der Steyler Mission zu erwähnen - wozu auch u. a. das Missionspriesterseminar, das Ethnologische Museum „Haus Völker und Kulturen“, das Anthropos-Institut, ein Missions-Sparinstitut und ein Buchladen zählen. Mit dem Erholungshaus bzw. dem Missionspriesterseminar begann 1912 die eigentliche Entwicklung des heutigen Sankt Augustin-Ort. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt sofort das moderne Sankt Augustin mit seinem 1977 aus dem Boden gestampften Zentrum und einigen Institutionen am Rande. Beispielsweise sind hier heute drei Schulen anzutreffen, ebenso das Kinderherzzentrum, die Kinderklinik, ein Hospiz des Johanniterordens, das Finanzamt, die Polizei und der GMD-Technopark. Nicht zu vergessen sei die Konrad-Adenauer-Stiftung, die ihrerseits gleich am Rande des eigentlichen Zentrums steht. Dieses besteht aus dem Karl-Gatzweiler-Platz mit dem Rathaus, dem Ärztehaus, einem Hotel sowie einem Einkaufspark. Südlich an den Einkaufspark angrenzend entstand kürzlich eine weitere Einkaufsmöglichkeit, die sogenannten Südarkaden. Den Abschluss bildet schließlich die im Februar 2001 eingeweihte Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Richtung Hangelar, Niederpleis und Mülldorf befindet sich die Wohnbebauung, meist kleinere, oft Einfamilienhäuser. Dort ist auch in der Uhlandstrasse die Gemeinschaftsgrundschule Sankt Augustin-Ort. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die katholische Pfarrkirche St. Maria Königin 1959 der Öffentlichkeit übergeben. Knapp ein Jahr später wurde auch der zweite Bauabschnitt der evangelischen Pauluskirche, inkl. Kirchenschiff fertig. Bis dahin fanden die Gottesdienste in dem heutigen Gemeindesaal statt, der bereits 1956 fertiggestellt worden war.
|